Mabacher Award 2026

Am 22. März 2026 wurde der Mabacher Award zum ersten Mal im Rahmen der Diagonale – Festival des österreichischen Filmes vergeben. Ein wichtiges Signal, dass der Filmpreis für Inklusion und sein Bestehen wichtig ist, um die Aufmerksamkeit für das Thema zu erhöhen und Barrieren in der Filmbranche abzubauen. 

Zu Beginn kam das Leitungsteam Stefan Wolner, Cornelia Ohnmacht und Hannah Wahl auf die Bühne. Stefan Wolner erinnerte an den Inklusionsaktivisten und Youtuber Martin Habacher, dem der Mabacher Award gewidmet sei. Er erzählte von ihrem gemeinsam Filmprojekt und darüber, wie Der Film von der Idee eines „Filmes über Martin“ zu einem „Film mit Martin“ wurde. Cornelia Ohnmacht machte deutlich, dass wir als Kulturschaffende die Verantwortung tragen Menschen authentisch, facettenreich und frei von Stereotypen zu repräsentieren. Der Mabacher Award würde genau hier ansetzen: Er mache Beispiele für Inklusion sichtbar und wirke als Werkzeug, um Rahmenbedingungen des Filmschaffens zu verändern, und zwar, indem er Raum für Diskurse schaffe. Auf die Frage, welche Wünsche in Bezug auf den Mabacher Award bestehen, antwortete Hannah Wahl, sie hoffe, dass der Filmpreis für Inklusion zusammen mit dem Projekt Filmklusiv dafür sensibilisieren kann, dass Inklusion kein freiwilliges Sozialprojekt sei, sondern ein Menschenrecht. Man wünsche sich, Filmschaffende motivieren zu können sich mit dem Thema Inklusives Filmschaffen auseinanderzusetzen und weitere tolle Positivbeispiele für Inklusion im Film und Repräsentation auf Augenhöhe zu schaffen. Wichtig sei aber auch, Strukturen zu verändern, um den Zugang für Menschen mit Behinderungen in die Branche zu gewährleisten. 
Im Nachgang sei außerdem ein Evaluierungsprozess geplant, nachzubessern von nötig und Barrieren, zum Beispiel im Einreichungsprozess, weiter abzubauen. Deswegen freue sich das Leitungsteam auch über Feedback zum Mabacher Award per Kontaktformular oder E-Mail.

Diagonale Festivalleitung Claudia Slanar und Dominik Kamalzadeh betonten, dass ass Sichtbarkeit sehr wichtig sei, aber nur der erste Schritt: Inklusion bedeutet auch Zugänge zu schaffen, zum Festival genauso wie in der Filmbranche und ihren Berufen. Es muss selbstverständlich werden, dass Menschen mit Behinderungen Teil der Filmwelt sind.

Das Credo des Abends war “Inklusion ist ein Menschenrecht”, das brachte Moderatorin Barbara Sima-Ruml, die durch den Abend führte, auf den Punkt. Auch in der Keynote von Mariya Menner, Schauspielerin und Pädagogin für Gebärdensprache, wurde das deutlich: Menschen mit Behinderungen sind nicht ,das Extra’. Wir sind Teil der Geschichte. Ich wünsche mir eine Branche, in der Vielfalt nicht erklärt werden muss. In der ein gehörloser Mensch nicht ,besonders’ ist – sondern einfach da. Denn das verändert alles. Heute stehe ich hier – sichtbar. Und ich bin nicht allein. Es gibt viele von uns. Talentierte, starke Menschen. Die nur eines brauchen: Eine Chance. Und manchmal braucht es nur eine Entscheidung. Ihre Entscheidung. Die Entscheidung, anders zu denken. Anders zu besetzen. Anders zu erzählen. Denn echte Veränderung beginnt nicht irgendwann. Sie beginnt genau hier.

“Baba, What’s Your Plan?” von Tolga Karaaslan gewinnt Mabacher Award 2026

Die dreiköpfige Expert*innen Jury des Mabacher Awards begründete ihre Entscheidung folgendermaßen: Der Film ,Baba, what’s your plan?‘ führte uns auf eine Reise: Aufnahmen in der ruralen Türkei, Familienfotos, und Gespräche zwischen Sohn und Vater – welche an wechselnden Orten in der Gegend zwischen Wels und Linz stattfinden – sind nur einige Stationen dieses intimen und aufrichtigen Portraits, welches der Regisseur Tolga Karaaslan von, durch und mit seinem Vater zeichnet. Trotz seiner Zugewandtheit und Intimität widersagt der Film jeglichen Voyeurismus und schafft eine generationenübergreifende Aufarbeitung der eigenen Familiengeschichte zwischen Vater und Sohn, wobei die Stimme des Vaters in respektvoller Hingabe das zentrale Sprachrohr bleibt. Das filmische Portrait erzählt von (chronischer) Krankheit, Migration, Hoffnung, und davon, letztere zu verlieren, um sie immer wieder neu zu finden – auch unter den herausforderndsten Umständen. Tolga Karaaslan vermag mit seinem Film auch anderen Hoffnung zu schenken, zumal dieser den Facettenreichtum des Mensch-Seins betont, aber auch deutlich macht, wie viel man durch aufrichtige Dialoge von und miteinander erfahren kann, so Sybille Bauer-Zierfuß (Filmemacher*in), Simone Hart (Kamerafrau), Yuria Knoll (Schauspielerin).

Film-Beschreibung: Celal Karaaslan fragt seinen Sohn, was er aus seinem Leben machen soll. Sonst hatte er immer die Antworten. Geprägt von körperlich anstrengender Arbeit und einer Krebserkrankung ist Celal nicht mehr in der Lage zu arbeiten. Seine Frage leitet jedoch eine gemeinsame Reise ein.

Biographie: Tolga Karaaslan (*1994 in Wels, AT) ist ein Filmemacher und Medienkünstler mit türkischen Wurzeln. In seiner Kunst beschäftigt er sich mit dem Leben zwischen mehreren Kulturen und der Suche nach der Identität. Dabei verfolgt er eine visuelle Sprache und atmosphärische Erzählung, die den Charakteren Zeit gibt, sich in ihrer Welt zu entfalten.

Dieser Preis ist auch für meinen Vater. Ich wollte ihn als Menschen mit all seinen Facetten zeigen, als Mensch mit seiner Geschichte, die auch die Geschichte von Klasse, Migration und Erkrankung ist, aber auch darüber hinausgeht. Ich wollte damit ein sensibles Portrait schaffen, Nähe aufbauen und meinen Vater zeigen, wie er ist, sagt Filmemacher Tolga Karaaslan bei der Preisverleihung im Rahmen des Diagonale Filmfestivals. Karaaslan, der seinen Film nur mit geringen Budget drehen konnte, erhielt im Rahmen der Diagonale auch den großen Diagonale Preis des Landes für die beste Doku. 

Hannah Wahl, Cornelia Ohnmacht und Stefan Wolner vom Leitungsteam erklärten nach Bekanntgabe des Gewinner*innenfilmes: Wir freuen uns, dass heute ,Baba, What’s Your Plan?’ von Tolga Karaaslan ausgezeichnet wurde. Ein Film, der sichtbar macht, wie eine inklusive Haltung im Erzählen und in der Ästhetik Barrieren abbauen kann. Durch seine einfühlsame Herangehensweise schafft er Raum für Erfahrungen, die im Film oft marginalisiert oder instrumentalisiert werden, und leistet damit einen wichtigen Beitrag zu einem Verständnis von Filmschaffen auf Augenhöhe.